Neues Jahr, neuer Job? Zu den Angeboten! Mehr ...
PMS Hydroflex HJM C-Tec



  • Reinigung | Verfahren, Geräte, Mittel, Medien (Tücher, Swaps,...)
  • Originaltext

Vierzig Jahre waren geplant. Dann kam die Grundreinigung

Wie Pad und Bürste die Lebensdauer von PU-Beschichtungen bestimmen

Im Streiflicht einer Taschenlampe zeigt eine PU-Beschichtung, wo sie noch glänzt und wo nicht mehr. (© G+C Facility GmbH)
Im Streiflicht einer Taschenlampe zeigt eine PU-Beschichtung, wo sie noch glänzt und wo nicht mehr. (© G+C Facility GmbH)
Ewgeni Jussufov
Ewgeni Jussufov
Ewgeni Jussufov
Ewgeni Jussufov

Ein PU-Boden ist für Jahrzehnte gebaut, seine oberste Schicht oft für deutlich weniger. Wie lange sie hält, hängt stark an der Grundreinigung. Läuft dabei das falsche Pad, raut die Reinigung genau die Oberfläche auf, die sie sauber halten soll. Ein Test mit der Taschenlampe zeigt, ob das schon geschehen ist.

Die Grundreinigung ist am Freitag, und am Montag ist der Boden gleichmäßig matt. Nur in den Ecken und unter den Schränken glänzt er noch, genau dort, wo die Maschine nicht hinkam.

So sieht es typischerweise aus, wenn ein zu hartes Pad über eine Versiegelung gelaufen ist. Schmutz ist keiner zu sehen, und daran ändert auch das nächste Wischen nichts. Am deutlichsten wird es im Streiflicht, wenn das Licht flach über den Boden fällt.

Zwei Zahlen aus einer Tabelle

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) führt in seiner Tabelle der Nutzungsdauern von Bauteilen den Boden und seine Oberfläche in getrennten Zeilen. Einen Kunstharz-Gussboden, dazu zählen PU- und Epoxid-Systeme, setzt es mit 40 Jahren an, Versiegelungen als Oberflächenbehandlung allgemein mit 14 Jahren (Stand 2026). Viele PU-Böden tragen eine solche dünne Versiegelung als oberste Schicht.

Ist nur die Versiegelung verbraucht, lässt sie sich erneuern. Ist auch die Beschichtung darunter angegriffen, beginnt eine Sanierung: Fläche sperren, neu beschichten, aushärten lassen, den Raum neu prüfen und freigeben. Die Produktion wartet so lange.

Warum eine raue Stelle teuer wird

Für die Herstellung steriler Arzneimittel verlangt Annex 1 des EU-GMP-Leitfadens (2022), dass offene Oberflächen glatt, undurchlässig und unbeschädigt sind, damit sich möglichst wenig Partikel und Mikroorganismen lösen oder ansammeln. Mit glatt hat eine raue Stelle nicht mehr viel zu tun.

Im Alltag zeigt sie sich zuerst beim Wischen. Der Wischfilm trocknet fleckig ab, und der Mopp läuft schwer und lässt an den rauen Stellen Fasern zurück. Im Reinraum ist jede dieser Fasern ein Partikel, das vorher nicht da war. In den Vertiefungen setzt sich Schmutz fest, und Herstellerhinweise zu Reaktionsharzböden beschreiben, dass alte, festgetretene Verunreinigungen die Oberfläche zusätzlich aufrauen können. Um den Schmutz wieder herauszuholen, braucht es mehr Kraft oder ein härteres Pad.

Ab dann arbeitet die Reinigung gegen den Boden. Jeder Durchgang, der die raue Stelle sauber bekommen soll, kann sie ein wenig rauer machen.

Das Pad entscheidet

Reinigung wirkt über vier Faktoren, die der Sinnersche Kreis zusammenfasst: Chemie, Mechanik, Temperatur und Zeit. Sie können einander ersetzen. Die Mechanik ist aber der Faktor, der an der Oberfläche direkt etwas abträgt.

In Reinräumen wird in der laufenden Reinigung meist gewischt. Wo doch mit Maschine und Pad grundgereinigt wird, entscheidet die Padfarbe. Die Farben reichen von sanft bis aggressiv: Weiß, Beige, Rot, Grün, Braun und Schwarz, je nach Hersteller leicht verschieden. Grün und dunkler sind Scheuerpads. Auf einer Versiegelung tragen sie bei Druck und Nässe sichtbar ab, Beige oder Rot reichen meist. Was das Pad dabei abträgt, liegt danach als Partikel im Raum.

Bei Bürsten empfehlen Herstellerhinweise weiche bis mittelharte Ausführungen, weil harte Fasern über die Erhebungen gleiten und den Schmutz in den Vertiefungen liegen lassen. Der Boden wird davon nicht sauberer, nur älter.

Hinzu kommt die Chemie, denn im Reinraum wird regelmäßig desinfiziert. Herstellerhinweise zu Reaktionsharzbeschichtungen warnen, dass Desinfektions- und Bleichmittel mit Chlor, Peroxid oder Natriumhypochlorit die Farbe ausbleichen und Mikrorisse verursachen können, und nennen das typisch für diese Böden. Ein sporizides Mittel, also eines, das auch Sporen abtötet, lässt sich meist nicht weglassen. Also muss die Beschichtung zum Desinfektionsplan passen, und das klärt man am besten mit ihrem Hersteller.

Der Test mit der Taschenlampe

Eine Taschenlampe knapp über den Boden halten, sodass das Licht fast waagerecht über die Fläche fällt. Eine intakte Oberfläche spiegelt gleichmäßig. Raue Stellen wirken matt und oft leicht anders in der Farbe.

Entscheidend ist, wo das Matte liegt. Eine matte Bahn auf Laufwegen und dort, wo Wagen bremsen oder wenden, kommt vom Begehen und Befahren. Ist dagegen die ganze Fläche matt und nur die Ecken glänzen noch, war es die Maschine. Die Ecken sind dabei verlässliche Zeugen. Dort war niemand, auch keine Maschine.

Wer den Test nach jeder Grundreinigung an denselben Stellen wiederholt, sieht Veränderungen, bevor sie bei einer Inspektion jemand anderes sieht.

Wenn die Versiegelung verbraucht ist

Eine matte Fläche ist noch kein Grund für einen neuen Boden. Solange die Beschichtung darunter intakt ist, wird sie gereinigt, leicht angeschliffen und neu versiegelt. Das übernimmt ein Fachbetrieb mit dem Material des Systemherstellers. Danach wird der Raum wie nach jeder Änderung neu geprüft und freigegeben, bei ableitfähigen Böden mit einer Messung der Ableitfähigkeit.

Bei der nächsten Grundreinigung gehört dann ein anderes Pad auf die Maschine. Sonst beginnt der Verschleiß von vorn, diesmal auf einer frischen Versiegelung.

Praxistipp: Der Padtyp gehört in die Reinigungsanweisung und in den Auftrag an die Fremdfirma: Beige oder Rot, nichts ab Grün. Vor dem Start lohnt ein Blick unter die Maschine, ob dort auch sitzt, was im Papier steht. Er dauert zehn Sekunden und kostet keine Versiegelung.

Vierzig Jahre sind möglich

Die matte Fläche mit den glänzenden Ecken entsteht selten an einem einzigen Freitag. Sie wächst über mehrere Grundreinigungen, jede mit demselben Pad, weil in der Anweisung keines stand. Gegen das Pad hilft eine Zeile in der Reinigungsanweisung. Den Rest der vierzig Jahre, mit denen das BBSR ihn ansetzt, schafft der Boden allein.

Der nächste Schritt: in der Reinigungsanweisung nachsehen, welches Pad dort für diesen Boden steht.

Über den Autor:

Ewgeni Jussufov ist Gebäudereinigermeister. Er führt die G+C Facility GmbH in Berlin, einen Meisterbetrieb, der auf Büroreinigung, Unterhaltsreinigung und Gebäudereinigung spezialisiert ist, darunter die Reinigung beschichteter Böden in Praxen, Kitas und Büros. www.gc-facility.de


Weitere Informationen


G+C Facility GmbH
14193 Berlin
Deutschland


Besser informiert: Mit JAHRBUCH, NEWSLETTER, NEWSFLASH, NEWSEXTRA und EXPERTEN VERZEICHNIS

Bleiben Sie auf dem Laufenden und abonnieren Sie unseren monatlichen eMail-NEWSLETTER und unseren NEWSFLASH sowie NEWSEXTRA. Lassen Sie sich zusätzlich mit unserem gedruckten JAHRBUCH darüber informieren, was in der Welt der Reinräume passiert. Und erfahren Sie mit unserem Verzeichnis, wer die EXPERTEN im Reinraum sind.

Vaisala Becker Berner International GmbH Systec & Solutions GmbH