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Weltraumteleskop PLATO: Mit Schiff und Schwerlasttransporter zum Testzentrum
Im Juni 2025 wurde das wissenschaftliche Instrument des Weltraumteleskops PLATO mit dem Service-Modul im Reinraum der Firma OHB in Oberpfaffenhofen zusammengefügt. Bei dem Instrument handelt es sich um eine optische Bank mit 26 einzelnen Kameras und ihren Elektronikmodulen. Mit einem speziellen Kran wurde dieses angehoben und präzise auf das Service-Modul gesetzt. „PLATO's eyes meet brain“ benannte die ESA diesen Vorgang so schön plastisch. Damit war im Wesentlichen nun alles vorhanden, was zum Betrieb notwendig ist, nämlich die Subsysteme zur Energieversorgung, zum Antrieb und zur Kommunikation mit der Erde.
Nach Abschluss der Arbeiten musste das empfindliche Gerät zum fast 900 Kilometer entfernten Weltraumforschungs- und Technologie-Zentrum der ESA, ESTEC, im niederländischen Noordwijk gebracht werden. Kein einfacher Transport, denn der Container mit PLATO hatte eine Überbreite von 5,5 Metern. In Deutschland dürfen LKW nicht breiter als 2,55 Meter sein, für überbreite Ladungen muss eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden.
In 14 Tagen von Bayern bis in die Niederlande
Die Speditionsfirma fand unter Abwägung von Kosten, Zeit und erheblichem administrativen Auswand die folgende Lösung: Zunächst wurde PLATO innerhalb von drei Nächten als Schwerlasttransport über Landstraßen und nur wenige Autobahnabschnitte von Oberpfaffenhofen nach Mannheim gebracht.
Dabei musste die Strecke im Voraus inspiziert und die Fracht ständig kontrolliert werden – immer unter der Aufsicht von Polizei und Behörden. In Mannheim wurde PLATO dann auf ein Frachtschiff geladen, welches das Instrument über den Rhein und das verzweigte Rhein-Maas-Delta bis nach Katwijk in den Niederlanden beförderte. Dabei war während des gesamten Transports die Klimatisierung des Containers notwendig.
Von Katwijk aus waren es dann nur noch wenige Kilometer mit einem LKW nach Nordwijk, wo das „technische“ Herz der ESA schlägt. Nach 14 Tagen hatte PLATO sein Ziel erreicht. Das Instrument wurde bei ESTEC auf einen Rollwagen geladen, in den Reinraum geschoben, um 90 Grad gedreht und damit in eine aufrechte Position gebracht.
Nach der Montage der Solarpaneele und des Schutzschilds wird PLATO in den nächsten Wochen auf Herz und Nieren geprüft: Intensive Schütteltests sowie Vibrations- und Akustiktests müssen durchlaufen werden, um zu gewährleisten, dass PLATO die enormen mechanischen Belastungen beim Start der Trägerrakete Ariane 6 unbeschadet übersteht. Später wird der komplette Satellit in den Weltraumsimulator, die größte Vakuumkammer in Europa, geschoben. Dort zeigt sich, ob PLATO die extremen Temperaturen, die Strahlung und das Vakuum im Weltraum aushält und dabei wie geplant funktioniert.
DLR e.V.
51147 Köln
Deutschland








