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Arbeitswelten unter höchsten Anforderungen: Wie Design den Menschen im Reinraum unterstützt
Reinräume gehören zu den anspruchsvollsten Arbeitsumgebungen überhaupt. Kontrollierte Bedingungen, sensible Prozesse und hohe Anforderungen an Materialien und Ausstattung bestimmen den Arbeitsalltag. Gleichzeitig bleibt der Mensch ein zentraler Bestandteil vieler Prozesse. Für die Gestaltung von Arbeitsplätzen bedeutet das: Technische Anforderungen, Ergonomie und Design müssen als Gesamtsystem gedacht werden. Wie sich dieser Ansatz in der Produktentwicklung widerspiegelt, zeigt die langjährige Zusammenarbeit von Bimos und dem Designstudio PHOENIX.
Ob Halbleiterfertigung, Mikroelektronik, Medizintechnik oder andere Hightech-Bereiche: Im Reinraum können bereits kleinste Einflüsse Auswirkungen auf sensible Prozesse und Produkte haben. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an sämtliche Komponenten der Arbeitsumgebung.
Doch bei aller Technologie darf ein Faktor nicht aus dem Blick geraten: der Mensch. Mitarbeitende müssen auch unter kontrollierten Bedingungen konzentriert, präzise und möglichst ergonomisch arbeiten können. Die Gestaltung eines Reinraumarbeitsplatzes bewegt sich deshalb immer im Spannungsfeld zwischen Prozesssicherheit und menschlichen Bedürfnissen.
Design beginnt bei der Arbeitsumgebung
Gutes Produktdesign für den Reinraum beginnt nicht bei der äußeren Form. Am Anfang stehen vielmehr Fragen nach der konkreten Anwendung: Wie bewegen sich Mitarbeitende bei ihrer Tätigkeit? Welche Arbeitspositionen nehmen sie ein? Welche Anforderungen bestehen hinsichtlich Partikelemission, Reinigung oder elektrostatischer Entladung? Und welche Materialien eignen sich für die jeweilige kontrollierte Umgebung?
Gerade ein Arbeitsstuhl steht dabei in unmittelbarer Nähe zum Menschen und zum Arbeitsprozess. Jede Bewegung des Nutzers wirkt sich auch auf den Stuhl aus. Oberflächen, Polster, Mechanik und konstruktive Details müssen deshalb auf die besonderen Bedingungen der Arbeitsumgebung abgestimmt sein.
Design wird damit zur Schnittstelle zwischen Mensch, Produkt und Prozess.
Wenn industrielle Arbeitsplätze zu Hightech-Umgebungen werden
Die Anforderungen an Arbeitsplätze haben sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Technologische Entwicklungen, Automatisierung und immer sensiblere Produktionsprozesse haben neue Arbeitsumgebungen entstehen lassen.
Diese Entwicklung lässt sich auch anhand der langjährigen Zusammenarbeit von Bimos und PHOENIX nachvollziehen. Als 2008 die Entwicklung des Bimos NEON begann, rückten Ergonomie und Individualität an industriellen Arbeitsplätzen zunehmend in den Fokus. Mit NEON entstand ein Arbeitsstuhl, der funktionale Anforderungen mit Ergonomie und einer eigenständigen Formensprache verband.
Mehr als ein Jahrzehnt später stellte sich bei der Entwicklung von TEXON erneut die Frage, was Menschen an den Hightech-Arbeitsplätzen einer neuen Generation benötigen.
Dabei ging es nicht darum, lediglich eine bestehende Lösung weiterzuentwickeln. Design, Engineering, Mechanik und Technologie wurden von Beginn an gemeinsam betrachtet – mit dem Ziel, unterschiedliche Anforderungen spezialisierter Arbeitsumgebungen in einem durchgängigen Konzept zusammenzuführen.
Im Reinraum wird jedes Detail funktional
Was in anderen Arbeitsumgebungen zunächst wie eine gestalterische Entscheidung erscheinen kann, erhält im Reinraum eine zusätzliche funktionale Bedeutung.
Oberflächen und Übergänge sollten so gestaltet sein, dass sie sich möglichst einfach reinigen lassen. Materialien müssen zur vorgesehenen Anwendung passen. Auch konstruktive Bereiche, die im normalen Arbeitsumfeld kaum Beachtung finden, können unter kontrollierten Bedingungen relevant werden.
Gleichzeitig ist Reinraumeignung nicht mit einer einzelnen Produkteigenschaft gleichzusetzen. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Faktoren – von der Konstruktion und Materialauswahl bis hin zur Eignung für die jeweils geforderte Reinraumklasse. In Bereichen mit elektrostatisch empfindlichen Bauteilen kommen zusätzlich Anforderungen an den ESD-Schutz hinzu.
Für das Produktdesign bedeutet das: Gestaltung und technische Funktion lassen sich nicht voneinander trennen.
Ergonomie bleibt auch unter kontrollierten Bedingungen entscheidend
Die technischen Anforderungen eines Reinraums verändern nicht die grundlegenden Bedürfnisse des Menschen. Mitarbeitende sitzen teilweise über längere Zeit, führen präzise Tätigkeiten aus oder arbeiten in konzentrierten Körperhaltungen.
Gerade bei feinmotorischen Arbeiten können nach vorne geneigte oder vergleichsweise statische Arbeitspositionen entstehen. Ein geeigneter Arbeitsstuhl sollte deshalb Bewegungsfreiheit ermöglichen und den Körper entsprechend der Tätigkeit unterstützen.
Auch die intuitive Bedienbarkeit spielt eine Rolle. Je einfacher sich Sitzhöhe, Rückenunterstützung oder weitere ergonomische Funktionen an unterschiedliche Personen und Tätigkeiten anpassen lassen, desto besser kann sich der Stuhl in bestehende Arbeitsabläufe integrieren.
Ergonomie und Prozessanforderungen sind dabei keine Gegensätze. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, beides miteinander zu verbinden.
Hightech muss für den Menschen funktionieren
Reinräume stehen exemplarisch für eine Arbeitswelt, in der Technologie und menschliche Arbeit besonders eng miteinander verbunden sind. Anlagen und kontrollierte Prozesse schaffen hochpräzise Bedingungen. Gleichzeitig sind es häufig Menschen, die überwachen, prüfen, montieren oder andere sensible Tätigkeiten ausführen.
Das beeinflusst auch die Gestaltung der Arbeitsmittel. Hochtechnische Produkte müssen nicht kompliziert oder technisch-distanziert wirken. Eine klare Formensprache und intuitive Funktionen können dazu beitragen, dass sich komplexe technische Anforderungen möglichst selbstverständlich in den Arbeitsalltag integrieren.
TEXON steht beispielhaft für dieses Designverständnis. Die Produktfamilie wurde für unterschiedliche spezialisierte Arbeitsbereiche entwickelt und überträgt einen gemeinsamen gestalterischen Ansatz auf verschiedene Anforderungen – von Produktion und Labor bis hin zu ESD- und Reinraumanwendungen.
Material und Konstruktion werden Teil des Designs
Im Reinraum zeigt sich besonders deutlich, dass Materialentwicklung und Konstruktion wesentliche Bestandteile des Produktdesigns sind.
Materialien müssen entsprechend ihrer Anwendung ausgewählt werden und mit den jeweiligen Anforderungen an Reinigung und kontrollierte Arbeitsumgebungen vereinbar sein. Gleichzeitig sollen sie dort, wo der Mensch unmittelbar mit dem Produkt in Kontakt steht, einen angemessenen Komfort ermöglichen.
Auch konstruktive Lösungen gewinnen an Bedeutung. Möglichst geschlossene und gut zugängliche Oberflächen können die Reinigung erleichtern und helfen, Bereiche zu reduzieren, in denen sich Verunreinigungen ansammeln können.
Damit entsteht gutes Design nicht allein am Zeichenbrett. Es entwickelt sich aus dem Zusammenspiel von Gestaltung, Engineering, Materialkompetenz, Ergonomie und den technischen Anforderungen der jeweiligen Umgebung.
Design bedeutet, den gesamten Lebenszyklus zu betrachten
Auch die langfristige Nutzung gehört zu einem modernen Designverständnis. Gerade spezialisierte Arbeitsplatzausstattung ist eine Investition, die über viele Jahre zuverlässig funktionieren soll.
Deshalb stellen sich bereits bei der Entwicklung Fragen nach Langlebigkeit, Austauschbarkeit von Komponenten, Reinigung und Anpassungsfähigkeit. Gleichzeitig müssen Produkte auch langfristig den Anforderungen ihres Einsatzbereichs entsprechen.
Design wird so zu einer Haltung, die nicht nur die Form eines Produkts betrachtet, sondern dessen gesamte Nutzung im Arbeitsalltag.
Der Reinraum der Zukunft bleibt ein Arbeitsplatz für Menschen
Automatisierung, Robotik und immer präzisere Technologien werden kontrollierte Produktionsumgebungen weiter verändern. Manche Tätigkeiten werden automatisiert, andere verändern sich oder entstehen neu.
Eine grundlegende Herausforderung bleibt jedoch bestehen: Dort, wo Menschen Teil sensibler Prozesse sind, muss die Arbeitsumgebung sowohl die technischen Anforderungen als auch ihre Bedürfnisse berücksichtigen.
Für Bimos und PHOENIX bedeutet Produktentwicklung deshalb, Technologie, Konstruktion, Materialien, Ergonomie und Design nicht isoliert zu betrachten. Erst im Zusammenspiel entsteht eine Lösung, die sich sinnvoll in eine anspruchsvolle Arbeitsumgebung integrieren kann.
Denn je komplexer und technologischer die Arbeitswelt wird, desto wichtiger wird eine einfache Frage: Wie lässt sie sich so gestalten, dass sie sowohl für den Prozess als auch für den Menschen funktioniert?
Wie sich dieses gemeinsame Designverständnis entwickelt hat und welche Gedanken hinter NEON und TEXON stehen, darüber sprechen Helmut Link, Geschäftsführer der Interstuhl Büromöbel GmbH & Co. KG, zu der Bimos als Marke gehört, und Andreas Diefenbach, Designer und Managing Partner bei PHOENIX, im gemeinsamen Interview.
Das vollständige Interview ist auf dem Bimos YouTube-Kanal verfügbar.
https://www.youtube.com/watch?v=-0oyljIpA2U

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