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  • Gebäude & Räume
Autor
Marco Heufemann

Wenn es mal wieder eng wird ...


Abladen eines Reinraummoduls
Abladen eines Reinraummoduls

Reinräume oder Labore führen zu Investitionen, die unentbehrlich sind, wenn es der Prozess oder die Regularien erfordern. Daher sollten bereits bei der Vorplanung auch alle Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, die langfristig und nachhaltig sinnvoll gestaltet sind.

Neue Räume benötigen den entsprechenden Platz. Und nicht selten beginnt der Bedarf eines Reinraumes mit Platzmangel im bestehenden Gebäude. Auf der Suche nach den geeigneten Räumlichkeiten kommt es oft zu Kompromissen, bestehende Raumstrukturen werden aufgelöst, umgeplant oder zweckentfremdet, oder Orte werden gefunden, die eigentlich eine mehr als ungeeignete Umgebung bilden.

Wurde eine mehr oder weniger passende Stätte gefunden beginnt in der Regel der interne Planungsprozess mit der Anpassung an eben die vorhandenen Gegebenheiten. Dabei tauchen oft die nächsten großen technischen Fragen auf, die wiederum neue Personen in den Kreis der Beteiligten ziehen. Zwei Beispielfragen, die in der Praxis oft auftauchen:

1) Ist ein Lüftungsgerät nötig oder kann man sich in die bestehende Gebäudetechnik einbinden, wenn nicht, wo platziert man die notwendige Technik, da der Platz ohnehin knapp ist?
2) Führen Durchbrüche zu Problemen in der Statik und im Brandschutzkonzept und welcher Fachmann kann diese Fragen beantworten?

Nachdem solche und ähnliche Punkte umschifft und gemeistert werden konnten, eine fachlich kompetente Planung für den Reinraum vollendet ist, steht man oft schon vor der nächsten Herausforderung. „Das Meistern der Baumaßnahmen im laufenden Betrieb oder besser: das Meistern des Betriebes in der laufenden Baumaßnahme“.

Baulärm, Schmutz und Staub, Fremdpersonal, verstellte Gänge und Flächen und leider auch manchmal unsensible Monteure sind die Herausforderungen, die gemeistert werden müssen.

Dass es auch einfacher geht, beweist die Fa. Kelvin aus dem süddeutschen Raum seit nunmehr über zehn Jahren. Ausschlaggebend für eine richtungsweisende Entwicklung war genau dieses Platzproblem eines Herstellers für medizinische Implantate (ISO-und GMP Regularien).

Die einzige Ressource bot die begrenzte Fläche vor dem Firmengebäude. Die Zeit bis zur Inbetriebnahme spielte eine große Rolle. Alles in Allem nicht die Faktoren, welche auf den Wunschlisten der Bauherren oder ausführender Betriebe stehen.

Der gedankliche Lösungsansatz auf engstem Raum in kürzester Zeit ein schlüsselfertiges, funktionsfähiges Gebäude mit einem voll umfänglichen Reinraum der Klassen ISO 7 und 6 aufzustellen war schnell gefunden: Aufbauen – Aufladen – Hinfahren – Abladen – Qualifizieren – Produzieren. Mit der Hilfe eines starken Partnerunternehmens wurde aus einer Idee in nur 16 Wochen Realität.

Dieses Szenario wiederholte sich bei besagtem Implantatehersteller. Noch acht Mal sollte ein Reinraummodul mit 70m² am Stück angeliefert werden. Dies entsprach der Wachstumsrate seiner Produktlinien weltweit in nur vier Jahren. Das war die Geburtsstunde der schlüsselfertigen Reinraum-Module.

Welche Technik steckt dahinter, welche Vor- und Nachteile hat die Modulbauweise?

Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Kleinste Baulücken können geschlossen werden, die Ausführung ist kundenspezifisch mit Kleinkomponenten, Monitoring, Medien und Gerätschaften durchdacht und gefertigt. Die klassische Baubelästigung findet praktisch gar nicht statt. Und von einer in die Länge gezogenen Planungs- und Bauphase kann keine Rede mehr sein, denn diese gesamte Leistung kommt aus einer Hand. Die vielleicht größte Unterbrechung im normalen Betriebsablauf des Bauherren findet bei der Anlieferung statt, denn niemand kann sich dem Spektakel entziehen, wenn ein gigantischer Spezialtransport vor der Haustüre ankommt und durch einen scheinbar noch größeren Autokran entladen wird. Wenn Blitzlichtgewitter ein sich majestätisch über das Betriebsgelände erhebendes Gebäude erhellen, sind in der Regel kaum mehr als vier Monate seit der Bestellung vergangen.

Wo Licht ist muss auch Schatten sein. Jede Technik erfährt ihre Grenzen, und so ist auch das Modulgebäude gewissen Einschränkungen unterworfen. Straßentransport kennt klare Grenzen, und somit ist bei 5,5m Breite, 3,5m Höhe und 23m Länge erstmal Schluss. Denn dann muss man  mit einem 35m langen Spezialtransporter erstmal die Kurve kriegen.

Sollten die räumlichen Anforderungen über diese Masse hinausgehen, erhält man genau so viele Segmente, die vor Ort verbunden werden, bis der Raumbedarf gestillt ist. Bei Bedarf auch mehrgeschossig.

Mittlerweile haben sich die „Reinräume-vom-Haken“ so bewährt, dass über eine zweite Produktlinie nachgedacht wurde, welche eine ebenso große Nachfrage stillt. Für eine günstigere aber keinesfalls billige Variante bilden modifizierte Containerstrukturen die Basis. Diese Strukturen müssen letztlich nach Vollendung genauso den Normen, wie EnEV, Brandschutzrichtlinien und den kundenspezifischen Anforderungen entsprechen.

Der praktische Unterschied liegt aber auf der Hand. Straßentransport findet auf Standard-LKWs zu jeglichen Tageszeiten und ohne den wachenden Blicken von Begleitfahrzeugen und Polizeieskorten statt. Kräne sind deutlich kleiner und die Anlieferungszeit wird nochmals verkürzt. Hier liegt der Wermutstropfen allerdings in der Fertigstellungsphase vor Ort. Denn was in Teilen angeliefert wird muss vor Ort zusammengefügt und fertig gestellt werden. Aber auch hier ist der Gesamtfläche keine Grenze gesetzt und nach oben erst nach dem dritten Geschoss.

Eine kleine Ausnahme im Portfolio bietet ein standardisiertes neun Meter langes Containermodul, welches mit einer Personenschleuse und einem Reinraum bis ISO-Klasse 7 beinahe alle Anwendungsfelder aufgrund einer Allround-Grundausstattung abdeckt. Dieses Modul ist durch Andocken weiterer Container erweiterbar.

Während die großen Modulgebäude und Containermodule über Kauf und auch Leasing abgewickelt werden können, ist bei den Containermodulen unter Umständen auch eine Rücknahme verhandelbar, falls es sich um einen zeitlich begrenzten Einsatz handelt.

Die letztgenannten Standardcontainer bieten sogar eine Mietbasis.

Die Kelvin GmbH bietet somit nicht nur schlüsselfertige Reinräume an, sondern schlüsselfertige Reinraumlösungen. Eben, wenn´s mal wieder eng wird.



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