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Reinheitstechnik im Einsatz gegen Covid-19



In Zeiten von Corona ist eins sicher: Bis ein wirksamer Impfstoff gefunden wird, sind Abstand, Hygiene, Rückverfolgbarkeit und hohe Testkapazitäten oberstes Gebot. In Sachen Hygiene gibt es Experten, die sich schon lange mit der Bekämpfung von schädlichen Mikroorganismen befassen: Die Reinraumtechniker.

Als Querschnittstechnologie versorgt die Reinraumtechnik alle Anwendungsbereiche, in denen Kontaminationen kontrolliert werden – von der Pharma- und Lebensmittelindustrie über die Medizintechnik und Krankenhäuser bis hin zur Mikrotechnologie und der Automobilindustrie. Nach Ausbruch der Corona-Pandemie haben viele Hersteller von Reinraumtechnik ihre Verantwortung ernst genommen und ihre Produkte auf die Anforderungen der Corona-Pandemie angepasst.

Welche Bedeutung der Reinraumbranche in der aktuellen Situation zukommt, fasst Josef Ortner von Ortner Reinraumtechnik und Mitglied der Strategiekommission der Cleanzone zusammen: „Gerade unsere Branche stellt die Basis, ein Bindeglied zwischen den Virologen, Entscheidungsträgern und der Wirtschaft dar.“

Dr. Gernod Dittel, Vorsitzender des Deutschen Reinraum Instituts, fügt hinzu: „Die reinraumtechnische Industrie in Deutschland ist weltweit Spitzenreiter in der Reinraumtechnik und somit prädestiniert zur Entwicklung neuester Technologien unter kontrollierten Umgebungsbedingungen. All dies nicht nur zum Schutze des Produktes, sondern auch zum Schutz des Menschen, bzw. beidem.“

Schützende Luft von oben

Ob an der Kasse im Supermarkt, in Apotheken oder an der Hotelrezeption – in systemrelevanten Berufen mit viel Kundenkontakt bieten neben Abschottungen aus Plexiglas sogenannte Laminar-Flow-Boxen mehr Sicherheit. Die Geräte, die oberhalb der zu schützenden Person angebracht werden, erzeugen eine turbulenzarme Verdrängungsströmung und bilden eine Schutzhülle um den Mitarbeiter, da die freiströmende Luft die physikalische Eigenschaft hat, sich an Oberflächen anzulegen. Die Luft wird anschließend wieder angesaugt und in der Laminar-Flow-Box gefiltert.

Personenschleusen oder Materialdurchreichen verhindern, dass Keime von A nach B kommen. Im Krankenhaus zum Beispiel sollten keine Mikroben von der Isolierstation in den normalen Krankenhausbetrieb oder andersherum gelangen. Auch hier kann die Reinraumtechnik mit Produkten helfen: Je nach Anforderung reichen Luftduschen, in denen anhaftende Partikel durch einen Luftstrom entfernt werden oder es werden in einer Personennassdusche Desinfektionsmittel eingesetzt.

Wiederverwertung: lokal und nachhaltig

In Zeiten knapper Ressourcen ist die Wiederaufbereitung von kontaminiertem Material, vor allem auch Einwegartikeln, besonders wichtig. Eine österreichische Arbeitsgruppe um Ortner Reinraumtechnik und die TU-Graz entwickelte ein Konzept zur Dekontamination von Schutzbekleidung und Schutzartikeln. Untersucht und als wirksam eingestuft haben die Experten sowohl die Begasung mit Wasserstoffperoxid als auch die Bestrahlung mit UVc. Ein ausgeklügeltes Logistiksystem sorgt für eine lokale Versorgung, dessen Zentrum ein Containersystem zur Desinfizierung mit einer vorgelagerten Ein- und einer nachgelagerten Ausschleusszone ist.

Mobile Krankenhäuser oder Testlabore

Ob für Krisenherde, zur Infektionsbekämpfung oder als Container am Flughafen: mobile Labore und Reinräume sind auf dem Vormarsch. Bereits 2016 gewinnt „Shellbe“, das mobile Krankenhaus vom Adriatic Institute of Technology, den Innovationspreis auf der Cleanzone.

Dr. Gernod Dittel, der an der Konzeption des mobilen Reinraums beteiligt war, erläutert seine Bedeutung für die Bekämpfung von Covid-19: „Binnen acht Tagen ein komplettes Krankenhaus für Corona-Patienten errichten: Damit hat China die Welt beeindruckt. Nicht herumgesprochen hat sich, dass deutsche Techniker das ebenfalls draufhaben. Das Know-how zur nötigen Modulbauweise ist hierzulande ausgereift und weltweit einsetzbar.“  Technologische Entwicklungen wie „Shellbe“ oder auch „Life-Isle“ sind transportfähige staub- und keimfreie Reinräume, welche schneller aufgestellt werden können als jede stationäre Klinik. Die preisgekrönten Systeme dienen als Krankenstation, OP-Saal, Ambulanz, Apotheke oder Biolabor. Auch auf Stoffbasis lassen sich besonders flexible Reinräume für medizinische Zwecke schnell errichten wie bespielsweise das Zelt „Cape“ vom Fraunhofer IPA oder „Sphairlab“ von der gleichnamigen Firma aus Aachen. Beide Projekte wurden für den Cleanroom Award nominiert: „Cape“ 2018 und „Sphairlab“ 2017.


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